Diskussion

Die Nutzung der Bahnstrecke von Braunschweig nach Harvesse wird unter den Bürgern kontrovers diskutiert. Dies steht hauptsächlich im Zusammenhang mit möglichem Lärm von Güterzügen und langen Schrankenschließzeiten. Die Bürgerinitiative Verkehrsinfakt Völkenrode-Watenbüttel kritisiert insgesamt die Folgen eines neuen Logistikzentrums in Harvesse (Güterbahnverkehr sowie PKW- und LKW-Verkehr im Ortsgebiet) , nimmt aber auch eine klare, kritische Position zu einer möglichen Regiobahn ein. Grundsätzlich scheint diese Kritik zwar eher das angedachte Regiobahnkonzept des ZGBs zu treffen, dennoch möchten wir an dieser Stelle auf die Argumente eingehen.

Wir möchten die Gelegenheit nutzen, um an dieser Stelle auf die Kritikpunkte eingehen.

  • Über 70 schnell fahrende (100 km/h) Regiobahnzüge pro Tag von 5 bis 24 Uhr!

Die Geschwindigkeit von 80-100 km/h ist nur auf den längeren Abschnitten zwischen den Orten fahrplantechnisch sinnvoll; im Ortsbereich Watenbüttel/Völkenrode mit 3 geplanten Haltestellen ist von einer geringeren Geschwindigkeit auszugehen, auch um Energie bei der Fahrt zu sparen.

  • Nur noch eine Haltestelle in Watenbüttel / zwei in Völkenrode!

Eine vierte Haltestelle im südöstlichen Teil Watenbüttels wäre je nach Nachfrage denkbar. Noch mehr Haltestellen würden den Spargelexpress aufgrund der dann zu langen Haltezeit allerdings zu langsam und damit wieder unattraktiv machen. Unser Konzept sieht ein ergänzendes Busnetz vor, das entferntere Ortsteile (insbesondere in Wendeburg) und weitere Orte (wie z.B. Groß Schwülper) direkt mit dem Spargelexpress verknüpft. Ergänzend soll insbesondere auch Bike+Ride ausgebaut werden, sodass flexibel und schnell der Spargelexpress erreicht wird.

  • Gewohnte Fahrziele entfallen!
  • Wegfall Busverbindungen zur Auslastung Regiobahn!

Eine Neustrukturierung der Buslinien mit einer Ausrichtung auf den Spargelexpress ist sinnvoll, um seine Stärken voll nutzen zu können. Unser Konzept sieht vor::

– 416: als Ergänzung und Zubringer zum Spargelexpress im 30-Minuten-Takt. Damit bleiben auch Ziele wie die Celler Straße erreichbar.

– 433: wie aktuell

– 454: Kann eingespart werden, da der Schwarze Berg mit dem Spargelexpress gut angebunden wird. Es entstehen neue Direktverbindungen vom Schwarzen Berg in die Innenstadt.

– 110: verkehrt im Stundentakt Harvesse – Groß Schwülper – Didderse – Leiferde –Gifhorn, 111: verkehrt im Stundentakt Harvesse – Groß Schwülper – Lagesbüttel – Harxbüttel – Thune nach Wenden mit Anschluss zur Straßenbahnlinie M1. Somit ergibt sich ein Halbstundentakt (mit Anschluss an die Bahn) zwischen Harvesse und Groß Schwülper.

– 480: ersatzlose Einstellung, diese Linie wird durch den Spargelexpress und die Busse 110/111 gut abgedeckt. Direkte Fahrten richtung BS Celler Straße sind weiterhin mit der 416 möglich.

– 484: Linie verkehrt künftig von Rühme kommend über Walle – Rothemühle – Klein Schwülper nach Harvesse.

– 560: verkehrt verkürzt auf dem Abschnitt Wipshausen – Harvesse – Wendeburg – Bortfeld – Kanzlerfeld mit Anschluss zur Buslinie 411. Mit Ausbau der Straßenbahn nach Kanzlerfeld und Lamme erfolgt hier der Anschluss zur Straßenbahn. In Harvesse besteht in und aus Richtung Wipshausen Anschluss zur Stadtbahn.

Wie aus dem Konzept deutlich wird, bleiben viele bestehende Verbindungen erhalten. Zusätzlich kommen schnelle Verbindungen mit Umstieg auf den Spargelexpress hinzu. Durch diese Änderungen nutzlos gewordene Linien können natürlich eingespart werden. Zudem entfallen unnötig lange Rundfahrten wie z.B. aktuell von Wendeburg richtung Braunschweig. Insgesamt kann der öffentliche Personennahverkehr durch die Änderungen für ein breiteres „Publikum“ ausgebaut werden.

  • Permanenter Stau an den Bahnübergängen!

Wie auch im Abschnitt Projekt erklärt, wird der Spargelexpress eine moderne Bahnübergangstechnik benötigen. Dadurch können die Schrankenschließzeiten für Güter- und Personenzüge erheblich reduziert werden. Zwar ist es tatsächlich bei einem 30 Minuten-Takt in beide Richtungen notwendig, im Durchschnitt alle 15 Minuten die Schranken zu schließen, aber durch die kurze Schließzeit von etwa 1 Minute wird kein permanenter Stau auftreten. Ganz im Gegenteil, wir möchten durch einen attraktiven Personennahverkehr den Bürgern eine Alternative zum Auto bieten und so nicht nur Stau, sondern auch Feinstaub und CO2-Emissionen verringern. Und dies nicht nur in Watenbüttel/Völkenrode, sondern auch im Stadtgebiet Braunschweig (hier z.B. alltäglich Stau auf der Celler und Langen Straße aufgrund der Pendler aus dem Nordwesten).

  • ½ stündlicher Takt!

Zusammen mit der kurzen Fahrzeit eine gute Grundlage für den Umstieg auf den ÖPNV z.B. zum Pendeln.

  • Steigende Personengefährdung!

Die Mitfahrt im Zug ist verglichen zum PKW erheblich sicherer. Für Außenstehende ist die Gefährdung durch die Bahn ähnlich einzustufen wie eine Straße. Durch den dichten Takt des Spargelexpresses steigt das Bewusstsein zum Aufpassen (Strecken, die nur gering befahren werden, werden nicht selten schlampig überquert – nach dem Motto „Hier fährt ja eh nie ein Zug“). Nichtsdestotrotz ist natürlich bei der Ausführung auf großtmögliche Sicherheit zu achten (einsehbare Übergänge, Zäune etc).

  • Verlängerung Schulwege zu weiterführenden Schulen!

Dieses Argument konnte von uns nicht nachvollzogen werden; wir würden uns über eine genauere Erklärung bzw. Nennung der fehlenden Verbindung freuen.

  • Belastung Bahnanlieger durch Lärm, Erschütterungen und Immissionen!

Wie im Abschnitt Fahrzeugeinsatz gesagt, müssen die Fahrzeuge besonders leicht sein, um auch auf den Straßenbahngleisen fahren zu können. Der Lärm solcher modernen Fahrzeuge ist gering; eine Bahnstrecke im Schotterbett dämmt Lärm und Erschütterungen zudem zusätzlich. Bei dem von uns angedachten Umbau der Strecke zur Nutzbarkeit durch dem Spargelexpress ist es sehr wahrscheinlich, dass die Maßnahmen als „wesentliche Änderungen“ eingestuft werden und somit zusätzlicher Lärmschutz gesetzlich vorgeschrieben ist (vgl. Broschüre „Lärmschutz im Schienenverkehr„, Seite 24ff bzw. PDF-Seite 28ff). Dies wäre beim Befahren nur mit Güterzügen ohne Spargelexpress dann nicht der Fall.

Die Schadstoffemissionen sind verglichen mit dem PKW-Verkehr deutlich geringer, sodass hier ein Gewinn für die Umwelt entsteht, wenn Menschen vom Auto auf die Bahn umsteigen. Die Immissionen auf die Anwohner kann entsprechend gering gehalten werden.


 

Eine sehr detaillierte Stellungnahme des braunschweiger forums und BUND zu Argumenten der Bürgerinitiative Verkehrsinfakt Völkenrode-Watenbüttel kann hier heruntergeladen werden. Die BI hat diese Stellungnahme übrigens auch auf ihrer Homepage gelistet und zeigt damit ein sehr faires Verhalten in der Diskussion.