Kritik an Ergebnis der Wirtschaftlichkeitsberechnung

Der Lenkungskreis zur Reaktivierung von Bahnstrecken in Niedersachsen hat nun die Gutachten zur Wirtschaftlichkeitsberechnung veröffentlicht:Dabei soll die Reaktivierung von drei Bahnstrecken vorangetrieben werden:

  • Einbeck-Mitte – Einbeck-Salzderhelden (Investitionsvolumen: 8 Mio. Euro)
  • Salzgitter-Lebenstedt – Salzgitter-Fredenberg (5,23 Mio. Euro)
  • Neuenhaus – Bad Bentheim (15,1 Mio. Euro)

Bei den ersten beiden Strecken handelt es sich um sehr kurze (ca. 2 bzw. 4 km lange) Abschnitte, d.h. nur eine „richtige“ Strecke (ca. 28 km) bleibt übrig. Gemessen an dem Gesamtvorhaben und den Erwartungen, die im Vorfeld an das Verfahren geschürt wurden (6-8 Strecken, später 3-5 Strecken), fällt das Ergebnis des Verfahrens absolut enttäuschend aus.

Bislang wurden zudem leider nur wenige, kurze Präsentationsfolien mit den groben Ergebnissen vorgestellt. Eine detaillierte, aussagekräftige Betrachtung liegt nicht vor. Laut diesen Ergebnissen liegt das Nutzen-Kosten-Verhältnis für die Bahnstrecke Harvesse-Braunschweig bei 0.7; für einen (volks-)wirtschaftlichen Betrieb wird ein Wert von mindestens 1 benötigt.

Allerdings wird bereits aus der Präsentation deutlich, dass nur die klassische Bahnstrecke von Harvesse über Gliesmarode zum Hauptbahnhof geprüft wurde. Entgegen unserer Idee wird bei der klassischen Bahnstrecke das Hauptzielgebiet der potentiellen Fahrgäste – die Branschweiger Innenstadt – nicht angebunden. Dadurch sinkt die Anzahl Fahrgäste erheblich und die Wirtschaftlichkeit bricht ein.

Wir fragen uns:

  • Wurde der ohnehin stattfindende Ausbau der Bahnstrecke für den VW-Güterverkehr berücksichtigt? Wie kommen dennoch die beträchtlichen Baukosten zustande?
  • Wieso geht das Gutachten von einer sinkenden Einwohnerzahl in Wendeburg aus?
  • Wurde eine Entlastung des von Stau geplagten Ortsteils Watenbüttel durch Verkehrsverlagerung auf die Schiene ausreichend berücksichtigt? Gibt es ein P+R-Konzept?
  • Wurde die große Anzahl an Arbeitsplätze, die mit der Bahn effektiv an den öffentlichen Personennahverkehr angebunden werden, ausreichend berücksichtigt?
Strecke bei Wendeburg

Gleisertüchtigungen in Wendezelle für die Anbindung des VW-Logistikzentrums.

Diese Fragen können erst geklärt werden, wenn das vollständige Gutachten vorliegt. Daher fordern wir, dass das Gutachten im Sinne eines transparanten Verfahrens veröffentlicht bzw. den Bürgern zugänglich gemacht wird!

In einem weiteren Schritt ist es notwendig, auch unsere Ideen einer Innenstadtdurchfahrung mit leichten Triebwagen (Spargelexpress) in das Verfahren aufzunehmen und zu prüfen. Wir sind uns sicher, dass dadurch erheblich mehr Fahrgäste gewonnen werden können, weil viele Relationen dann schnell und bequem mit dem Spargelexpress erreichbar sind. Ferner können parallele Busverbindungen in die Innenstadt eingestellt oder auf anderen Wegen sinnvoller eingesetzt werden, sodass hier gleichzeitig ein Einsparpotential sowie eine weitere Verkehrsverlagerung auf die Schiene stattfindet.